Ein Leitfaden für Hundebesitzer Dr. Kirtz G. Tierärztl. Labor InVitro)

Reisekrankheiten beim Hund

Durch die zunehmende Mobilität der heutigen Gesellschaft und der Tatsache, dass Hunde ihre Besitzer auf vielen Reisen begleiten, sind diese vermehrt "exotischen"Krankheiten ausgesetzt. Zu den wichtigsten "Reisekrankheiten" zählen die Babesiose (Hundemalaria), die Ehrlichiose, die Leishmaniose und die Dirofilariose (Herzwurm).

Die Babesiose (Hundemalaria)

Die Babesiose kommt im gesamten Mittelmeerraum sowie in Frankreich, Deutschland, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Schweiz und in Österreich vor. In Österreich sind vorwiegend die östlichen Bundesländer betroffen. Übertragen wird die Babesiose durch die Auwaldzecke. Die Babesien befallen, ähnlich wie bei der Malariadie roten Blutkörperchen und bringen diese zum Zerplatzen. Nach einer Inkubationszeit (Zeit bis zum Auftreten der ersten Krankheitserscheinungen) von 2 Tagen bis 3 Wochen kommt eszum Ausbruch der Erkrankung. Charakteristische Symtome einer akuten Babesiose sind Mattigkeit, verminderte Fresslust, Erbrechen, Fieber (bis 40° C), Schwäche, blasse Schleimhäute, rötlicher bzw.- brauner Urin. Eine nicht erkannte, akute Babesiose kann zum raschen Tod des Hundes führen. Beim chronischen Krankheitsverlauf kommt es zu Fieber, Gewichtsverlust, Teilnahmslosigkeit, Gelbsucht, Durchfälle, sowie Schleimhautblutungen. Auffallend ist, dass Tiere, die sich nur zeitweise in Babesien-gebieten aufhalten einen schwereren Krankheitsverlauf zeigen als solche die in diesen Gebieten heimisch sind. In Österreich kommt die Babesiose überwiegend im Frühjahr und im Herbst vor. Als Behandlung wird ein "Babesienmittel" verabreicht. Bei schweren Erkrankungen empfiehlt sich eine Wiederholung nach 2-3 Wochen. Wichtigste Maßnahme zur Verhinderung einer Infektion ist die Vorbeugung gegen Zeckenbefall.


Die Ehrlichiose

Die Ehrlichiose tritt vorwiegend im Mittelmeerraum auf. Durch den zunehmenden Hundetourismus wurde der Erreger auch nach Österreich importiert. Übertragen wird Ehrlichiose durch die braune Hundezecke. Nach 8 bis 20 Tagen treten die ersten Symptome auf . Fieberschübe, Mattigkeit,verminderte Fresslust. Diese "milden" Symptome können leicht übersehen werden. Es kommt dann zum chronischen Verlauf mit Mattigkeit, Erbrechen, hohem Fieber, Nasen- und Schleimhautblutungen, Gewichtsverlust, Lymphknoten- und Milzvergrößerung. Es kann sogar zur Erblindung des Hundes kommen. Zur Behandlung der Ehrlichiose werden Antibiotika eingesetzt. Bei Reisen in Ehrlichiengebiete können Antibiotikagaben während des gesamten Aufenthaltes als Vorbeugungsmaßnbahme durchgeführt werden. Als wichtigste Maßnahme gilt jedoch, auch hier eine Prophylaxe gegen Zeckenbefall.

 

 

Leishmaniose

Die Leishmaniose sit eine im Mittelmeerraumhäufig auftretenden Erkarankung beim Hund. In Spanien sind in einigen Gegenden bis zu 70%, in Südfrankreich bis zu 60% der Hunde infiziert. Aber auch in den nördlichen Regionen wie z.B. die Schweiz, Österreich und Deutschland (ca. 20.000 infizierte Hunde) komt die Leishmaniose mittlerweile vor. Die meisten dieser Hund sind entweder aus dem Mittelmeerraum improtiert bzw. handelt es sich um "Urlaubshunde" die sich im Süden infiziert haben. Die Leishmaniose wird durch die Sandmücke übertragen. Nach Monaten bis Jahren (bis zu 7 Jahren) erkranken die Hunde, sodass häufig kein direkter Zusammenhang mit dem zurückliegenden Urlaub hergestellt wird. Die Symptome können stark variieren undbeginnen oft mit Hautveränderungen an den Ohren und Augen ("Brillenbildung") sowie massiver Schuppenbildung. In der Folge kommt es zu Gewichtsverlust, Schwäche, Durchfall, Leber- Lymphknoten-, und Milzvergrößerung, Hautgeschwüren, uund nicht juckenden Hautekzemen.Schließlich magern die Tiere bis zum Skelett ab. Die Leishmaniose beim Hund gilt derzeit als nicht heilbar und ohne Therapie sterben bis zu 90% der Hunde innerhalb eines Zeitraumes von einem Jahr. Als wichtigste Maßnahme gilt nach wie vor den Hund, wenn möglich, nicht in den Süden mitnehmen. Sollte dies doch erfolgen, sollte der Hund bei Dämmerung (höchste Aktivität der Sandmücken) unbedingt im Haus gelassen werden und der Schlafplatz des Hundes mit einem Moskitonetz geschützt sein. Des weiteren sollten Mittel gegen die Sandmücken verwendet werden, z.B.Scalibor®a als Halsband (Schutz ca. 6Wochen) bzw. Shampoo (Schutz ca. 2 Wochen). ACHTUNG: Die Leishmaniose ist eine Zoonose, das heißt sie ist vom Tier über den Harn bzw. offenen Hautstellen auf den Menschen übertragbar. Beim Umgang mit infizierten Hunden muss daher mit größter Vorsicht vorgegangen werden.

Dirofilariose (Herzwurm)

Die Dirofilarose bzw. die Herzwurmerkrankung ist eine ebenfalls im Mittelmeerraum weit verbreitete Krankheit. Sie wurde in der Schweiz (Tessin), in Frankreich und Ungarn nachgewiesen. Überträger sind Stechmücken. Bei schwachen Befall verläuft die Krankheit oft ohne Symptome. Bei stärkerem Befall kommt nach 5-7 Monaten zu den ersten Krankheitssymptomen. Diese sind Leistungsabfall, Schweratmigkeit, Husten, beschleunigte Herzfrequenz, Herzgeräusche, Vergrößerung des rechten Herzens, Gewichts- und Konditionsverlust, "Wasserbauch", Bewusstseinsstörungen, Erblindung. Es gibt sowohl gegen erwachsene als auch gegen junge Herzwürmer eine entsprechenden Therapie. Als wichtigste Maßnahme gilt auch hier, den Hund nicht in den Süden mitnehmen. Sollte dies doch erfogen, sollten ähnliche Vorbeugungsmaßnahmen wie bei der Leishmaniose ergriffen werden. Des weiteren sollten Mittel gegen die Stechmücke verwendet werden, z.b. Stronghold® oder Milbenmax®. Aufgrund der langen Inkubationszeit sollte man unbedingt nach der Rückkehr aus dem Urlaub eine weitere Untersuchung nach ein paar Monaten vom Tierarztdurchführen lassen.